Historische Spielsysteme

Fußball war schon immer dadurch gekennzeichnet, dass die Spieler eines Teams in einer bestimmten Beziehung zueinander aufgestellt werden. Diese taktische Aufstellung nennt man Spielsystem. Damit wurden schon immer in der Geschichte des Fußballs bestimmte Ziele verfolgt. Doch wie waren frühere Spielsysteme gekennzeichnet?

Betrachtet man Spielaufzeichnungen vom Anfang des 20. Jahrhunderts, dann hat man das Gefühl, dass alle Spieler versuchen dort zu sein, wo der Ball ist. Das war auch tatsächlich im Spielsystem so vorgesehen, da man damals wirklich etwa 9 Stürmer (daneben 1 Verteidiger und der Torwart) aufstellte.

Diese Aufstellung führte dazu, dass die 9 Stürmer sowohl in der Verteidigung als auch im Sturm fit sein mussten. Hiermit sind wir auch schon beim klaren Nachteil dieser Spieltaktik. Die einzelnen Spieler konnten sich nicht auf eine bestimmte Position konzentrieren, außerdem waren die Anforderungen an die Spieler konditional extrem hoch, um das Spiel durchzuhalten.

Veränderungen an diesem Spielsystem kamen aus der Schweiz. Der Österreicher Karl Rappan analysierte die Schwächen des alten Spielsystems und hatte folgende Idee: Die Spieler sollten weiterhin gemeinsam angreifen und verteidigen, allerdings sollten die Stürmer nicht weiter als bis zur Mittellinie zurückgehen. Nun hatten die Stürmer während des Spiels auch hin und wieder eine kleine Pause und konnten so Ihre Kräfte besser einteilen.

Immer noch vernachlässigt war die Defensive. Erst mit der Schottischen Furche (benannte nach Ihrem Aussehen: 2 Verteidiger, 3 Mittelfeldspieler, 5 Stürmer) konzentrierte man sich mehr auf die defensiven Spieler. Sowohl die Verteidiger als auch die Mittelfeldspieler wurden speziell für die Verteidigung trainiert. Die Mittelfeldspieler übernahmen neben dieser Aufgabe noch die Verwirklichung des Angriffs im Zusammenspiel mit den Stürmern.

Gemein war den historischen Spielsystemen das Verständnis der Manndeckung. Anfang des letzten Jahrhunderts bekam diese Manndeckung immer größeren Stellenwert eingeräumt. Ein Spieler wurde also entsprechend dazu bestimmt, auf einen ganz bestimmten Gegenspieler aufzupassen. Später wich man etwas von dieser Regelung ab, indem ein so genannter Libero unter den Spielern ernannt wurde. Wie der Begriff "Libero" ausdrückt war dieser Spieler der entsprechende freie Mann und hatte keinen ausdrücklichen Gegenspieler.

Insgesamt war die Manndeckung allerdings zu statisch und wurde in den letzten Jahrzehnten immer weniger gespielt. Heute überwiegt bekanntlich die Raumdeckung. Hier bekommt der Spieler seinen Bereich auf dem Platz zugeordnet und für diesen Raum ist er verantwortlich.